LandOhneSocken

Ein Leben ohne Transferzahlung

12 Illusionen

Zitat

Aus einer Festrede von John Swinton [Er ging in Rente], dem Doyen der amerikanischen Presse und einstigen Redaktionsleiter der „New York Times“. Swinton’s Statement vor dem vornehmen New Yorker Presseclub stammt aus dem Jahr 1880 – ist aber aktueller denn je:
„Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht. Sie wissen es und ich weiß es. Es gibt niemanden unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und wenn er es tut, weiß er im Voraus, dass sie nicht im Druck erscheint. Ich werde jede Woche dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung herauszuhalten, bei der ich angestellt bin. Andere von Ihnen werden ähnlich bezahlt für ähnliche Dinge, und jeder von Ihnen, der so dumm wäre, seine ehrliche Meinung zu schreiben, stünde sofort auf der Straße und müsste sich nach einem neuen Job umsehen. Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Stellung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammon zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot. Sie wissen es und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse anzustoßen.
Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unsere Fähigkeiten und unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“

Pressefreiheit_Scholl-Latour

Zwei klare Aussagen von Personen, die genau wissen was Sache ist/war – wer was anderes behauptet ist schlicht ein Lügner oder ein Depp.

Es gibt natürlich Ausnahmen – Personen, deren Meinung keine Bedeutung haben, also einzelne Meinungen, wie z.B das von mir hier Geschriebene. Alle, die schon in passenden Schubladen verortet sind – z.B Verschwörungstheoretiker und alles was man leicht als Spinnerei abbügeln kann ….. früher gab es den passenden Begriff des Narren. Wer sich als Narr geoutet hat, der darf auch Wahrheiten berichten …..

Die entscheidende Erkenntnis hatte wohl dieser Journalist:

Das Ende ist mein Anfang – Ein Vater ein Sohn und die grosse Reise des Lebens (Tiziano Terzani)

„Auf der Suche nach der Wahrheit durch die Welt zu reisen – das ist Journalismus.“ Das habe ich mit großer Überzeugung getan, und auch mit großer Begeisterung. Ich habe die Wahrheit gesucht: in der Geschichte, in der Exaktheit der Fakten. „Wie viele Tote dort?“- „Um wie viel Uhr?“- „Wer hat als Erster geschossen?“ Manchmal war das mühsam. Manchmal lagen ihre Lügen auf der Hand, dann bohrtest du auf der Suche nach der Exaktheit der Fakten immer weiter nach, als wäre das das Wichtigste von der Welt. Später habe ich begriffen, dass Lügen zwar schrecklich sind und nichts bringen, aber dass die Exaktheit der Fakten genauso unnütz ist, denn die Wahrheit, nach der ich suchte, liegt nicht in den Fakten, sondern dahinter. Oder sogar noch hinter dem Dahinter. Und da habe ich einen ganz anderen Weg

Diese Fakten auf die man im westlichen Kulturkreis und dem angegliederten Wissenschaftsbetrieb so versessen ist – sind eben nur ein kleiner Teil – meistens sogar ein ganz kleiner Teil — der Wahrheit. Noch viel öfter beruhen diese Fakten auf einem Selbstbetrug – das kann der menschliche Geist aber nicht erfassen, weil dieser Geist davon ausgeht, zu existieren. Dieser Geist, so wie ihn die westliche Kultur versteht – den gibt es aber gar nicht, er ist eine Illusion. Diese Illusion ist allerdings sehr mächtig, sie kann Welten erschaffen und ebenso leicht zerstören – man kann es täglich beobachten.

Dieses Erschaffen und Zerstören ist eine so mächtige Illusion, dass die Mehrheit der Menschen sich an diesem Spiel gerne beteiligen, immer in der Hoffnung in der Hierarchie zu steigen – ihre ganze Lebensenergie wird darauf verwendet.

Die Wahrheit bleibt dabei auf der Stecke. Die Wahrheit stimuliert nicht die ganzen Sinne – genau das Gegenteil passiert – es wird ruhiger, leiser und einfacher.

Die Wahrheit zerstört Illusionen – wie das funktioniert ist schon seit 2500 Jahren dokumentiert, aber sicher schon viel länger bekannt.

Was man auch ganz klar sagen kann – der Zustand unserer Welt dokumentiert glasklar, dass bis auf wenige Einzelpersonen niemand an der Wahrheit interessiert ist – ich schliesse mich da nicht aus.

Was hoch im Kurs steht – Pressefreiheit, Demokratie, sozialer Wohlstand – das sind die erstrebenswerten Ziele, aber schon dabei müsste eigentlich jedem der lesen und schreiben kann auffallen, dass das nichts als Illusionen sind – schon da zeigt die Wirklichkeit ein ganz anderes Bild – als uns täglich verkauft wird. Macht man sich noch bewusst, dass alle materiellen Errungenschaften (einschliesslich des eigenen Körpers)  bestenfalls für kurze Zeit zur Verfügung stehen, würden in einem halbwegs klar denken Menschen die ersten Zweifel erwachen. Soviel zum allgemeinen Geisteszustand.

Die Macht der Illusionen (Fakten sind ein Bestandteil davon) ist die einzige Leidenschaft, die niemals grundsätzlich in Frage gestellt wird. Das positive an dieser Sache ist, wenn das jemand für sich erkennt, kann er es sofort ändern – er kann beginnen sich weniger mit Fakten sondern mit dem Dahinter – oder sogar mit dem hinter Dahinter zu beschäftigen, man muss es nur tun.

 

 

 

hugo • 4. August 2015


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