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Ein Leben ohne Transferzahlung

Morpheus – Beitrag aus einem anderen Forum

Version: 1.00 Hier geht es zu den Fussnoten 1)Fussnoten im Überblick – so kann man sich zuerst die Basics zum Beitrag anschauen  — Das ist ein Beitrag aus foldgenden Forum 1:1 kopiert ohne Änderungen Quelle: http://www.dasgelbeforum.net/

Ich habe beim Autor nicht nachgefragt ob ich das hier verwenden darf. Aus meiner Sicht ist das frei verwendbar – die Quelle ist angegeben und die Autorenschaft ist klar – dem User Morheus zuzuordnen. Ich handhabe das so, weil man heute im Internet nicht weiss, was morgen noch verfügbar ist.

 

Zum Abschied meine These: „Hochkulturen scheitern an ihrer städtischen Infrastruktur, immer“ (msvT)

Liebes Forum,

Dieses Problem hatte ich bereits vor einiger Zeit dargestellt (hier und hier), aber ich möchte es jetzt noch einmal etwas anders aufnehmen, weil immer wieder die Diskussion um die Nachhaltigkeit des Kapitalismus hochkommt. Auch die vielen sozialistischen Ideen, wie die Plünderungs-Debatten, „die Reichen werden immer reicher“ sowie der tatsächlich feststellbare Faschismus in der Welt, sind nach meiner Überzeugung alles Probleme, die als Folge des Staates sowie diesmal insbesondere Infrastruktur-Wandels vom Land in die Stadt zu erklären sind.

Grundsätzlich gab es schon mal einen allgemeinen Beitrag zum Wachstum und Kollaps von Machtsystemen und Verschuldung. Es ist allerdings wichtig diese allgemeinen Betrachtungen auf unsere aktuelle Welt abzubilden. Immer wieder kommt die Frage auf:

Warum scheitern Machtsysteme und vor allem wann scheitern sie?

Dies wird hier im Forum immer wieder diskutiert und deshalb sollten wir eine Antwort auf diese Frage finden. Unabänderliche Grundlage ist hierfür die Machttheorie von dottore und teilweise auch die Beleihungs- und Aufschuldungsgrenzen, wie sie von Ashitaka hier aktuell immer wieder sehr gut dargestellt werden. Warum kommt man aber überhaupt an Grenzen und warum jetzt? Warum ist gegen diese Krise eben bisher kein Kraut gewachsen? Warum wird diese Krise den Kollaps der aktuellen Gesellschaftssysteme auslösen?

Es gibt aber immer wieder Stimmen, die meinen, man könnte es durch eine Rückverteilung des Eigentums oder durch einfach immer mehr Staatschulden dauerhaft lösen. Ich bitte die Vertreter dieser Sichtweisen, meine These zu prüfen und mir zu erklären, wo mein Fehlschluss liegt. Wo, oder genauer wie ihre Enteignungs- oder ihr Weiter-Verschuldungskonzepte den von mir beschriebenen „Infrastruktur-Wachstums-Folge-Kollaps“ verhindern können.

Meine These:
Hochkulturen scheitern an ihrer städtischen Infrastruktur

Der Aufbau von städtischer Infrastruktur, die normale Zentren zur Versorgung der umliegenden ländlichen Bevölkerung übersteigt, führt am Ende zu einem gesellschaftlichen Kollaps. Die Ursache für den Kollaps ist die Auflösung der zum Überleben stabilen aber inneffizienten ländlichen Infrastruktur zu Gunsten der effizienten aber zum Überleben instabilen städtischen Infrastruktur.

Städtische Infrastruktur sind die Städte selbst mit Häusern, Wohnungen, Büros, Fabriken, Handelsflächen aber auch alle Elemente wie Verkehrswege, Logistikeinrichtungen und die Dienstleister, die zur laufenden Versorgung der Menschen in der Stadt erforderlich sind. Wichtig ist dabei, dass die Städte durch wesentliche Schrumpfung der Landbevölkerung stark anwachsen und nicht lediglich ländliche Versorgungszentren bilden.

Natürlich können Hochkulturen jederzeit kollabieren. Solche, stets auf Zwang basierende Gesellschaftssysteme, sind ab einem bestimmten Niveau immer sehr instabil. Aber hier soll dargestellt werden, warum der Kollaps an einem bestimmten Punkt, in einer sich offensichtlich wiederholenden geschichtlichen Entwicklung, immer wieder kommen muss.
Ohne die städtische Infrastruktur kann sich eine Gesellschaft auf dem niedrigen Niveau einer dezentralen Selbstversorgung stets aus sich selbst heraus erneuern. Genau dies ist bei einer Verstädterung nicht mehr möglich. Im Folgenden soll aufgezeigt werden, warum die Verstädterung unabänderlich das letzte Aufblühen vor dem Kollaps ist.

Städte sind durch gemeinsame Finanzierung und starke Arbeitsteilung besonders effizient

Städte sind durch kurze Wege und ganz neue Leistungsangebote besonders effizient. Sie ziehen deshalb Menschen an. Arbeitsleistung kann in der Stadt kontinuierlich erbracht werden. Sie ist nicht abhängig von Wetter oder / und Jahreszeiten. Dem entsprechend sind die Wertschöpfung und die Einkommensmöglichkeiten in der Stadt höher. Die gemeinsame Nutzung von Ressourcen auf engem Raum verringert die Investitions- / Finanzierungskosten erheblich.
Das folgende Beispiel ist absichtlich nicht an der historischen Entwicklung ausgerichtet. Diese Entwicklung war sehr langsam und die Vorteile konnten sich über längere Zeiträume ganz in Ruhe entwickeln. Es reichte, wenn die Effizienz langsam aber kontinuierlich anstieg. Parallel verbesserte sich die Lebenssituation der Menschen. Diese Steigerung der Effizienz erlaubte die Steigerung des Brutto-Sozialprodukts oft sogar obwohl die Menschen deutlich weniger arbeiten als zuvor. An den heutigen „Endzuständen“ lässt sich der Effekt aber besonders deutlich ablesen, deshalb werden sie hier zur Abkürzung der Darstellung verwendet.

Ein Mietshaus mit 30 Mietparteien benötigt nur eine Heizungsanlage. Bei dezentraler Lebensweise auf dem Land wären derer 30 erforderlich gewesen. Die gemeinsame Anlage kann deshalb eine ganz andere Qualität haben, als die Feuerstellen auf dem Land. Man sieht, wie die gemeinsame Finanzierung zu einer Aufwärtsentwicklung beiträgt. Noch viel deutlicher wird das, wenn man ganze Stadtviertel mit Fernwärme beheizt. Nicht nur dass die Abwärme eines Kraftwerks quasi Abfall-Energie kostenlos bereitstellt. Nein es entfallen auch für tausende von Häuser und zehntausende Wohnungen die Heizungsanlagen, die jetzt von den Mietern / Eigentümern nicht mehr einzeln oder in Kleingruppen finanziert werden müssen.
Solche gemeinsame Finanzierung ergibt sich aber auch für viele andere Teile der Infrastruktur. Das öffentliche Transportwesen oder die Einkaufsmöglichkeiten. Auf dem Land müssen 50 Haushalte die Fixkosten eines kleinen Einkaufsladens finanzieren, der noch dazu durch die entfernte Lage hohe Transportkosten für die Belieferung hat. In der Stadt kann ein Supermarkt viel mehr Leute versorgen und wenn es dann noch Ketten gibt, lassen sich die Kosten weiter senken. Die niedrigen Kosten kommen der Allgemeinheit durch niedrige Preise und damit durch eine Schaffung von Ausgabespielräumen zu Gute.
Das obige Fernwärme-Angebot zeigt aber noch etwas anderes auf, was Städte so effizient macht. Die Heizungsanlagen müssen von den Mietern auch nicht mehr persönlich betrieben werden. Was für eine Einsparung an Arbeitszeit, wenn man nicht mehr mit Holz oder Kohle seine lokale Heizung betreiben muss. Die oben angesprochenen Qualitätsverbesserungen durch gemeinsame Finanzierung führen oft zu einer Automatisierung oder der Verlagerung auf spezialisierte Dienstleister, die wesentliche Teile der Arbeit für den Stadtbewohner übernehmen. Die Spezialisierung erlaubt dann die Automatisierung durch Skalen-Effekte und Mengenbündelung.
Stets und ständig profitiert man dabei von hohem Angebot (an Arbeitskräften, Mietflächen, (Sub-)Lieferanten) und hoher Nachfrage (viele Verbraucher) auf engem Raum. Die Zentralisierung fördert die Arbeitsteilung und eliminiert die Redundanz der dezentralen ländlichen Lebensweise. Die Finanzierung der spezialisierten Sublieferanten, die jeder Stadtbewohner ständig in Anspruch nimmt, ist kein Problem. Er kann sie einerseits aus den effizienzbedingten Einsparungen bezahlen und andererseits hat er ja selbst eine Arbeit mit hoher Wortschöpfung, die entsprechend gut bezahlt ist.
In der Praxis ist jeder zusätzliche Dienstleister, jede weitere gemeinsame Finanzierung für alle Beteiligten nur positiv, sie bekommen gemeinsam einerseits mehr Arbeit (Leistungsanbieter) und andererseits mehr Qualität und mehr Freizeit (Leistungsabnehmer). Und der Staat profitiert auch, weil bei allen Leistungen natürlich auch brav die Abgabe wie z.B. die Mehrwertsteuer gezahlt wird.
Bei der Mehrwertsteuer wird die enorme Steigerung der Effizienz besonders deutlich, denn auf alle zwischengeschalteten Dienstleistungen muss anders als bei der Selbstversorgung auch noch eine Zusatzabgabe an die Staatsmafia geleistet werden. Auch diese Abgabe lässt sich problemlos mit finanzieren und konnte über die Jahre in Deutschland sogar auf knapp 19 Prozent angehoben werden.

Die Zentralisierung in den Städten schafft zeitliche und finanzielle Spielräume für zusätzliche Nachfrage und nachfolgend zusätzliche Angebote, die von dem Überschuss-erzwingenden System, in sich selbst optimierend Form entwickelt und erbracht werden.

Mit der Wachstumsspirale fängt es an

Die vom Land in die Städte strömenden Menschen müssen untergebracht und versorgt werden. Dafür muss Infrastruktur geschaffen werden, was Arbeitsleistung erfordert, die weiterer Menschen bedarf und diese deshalb anzieht. Das ist ab einem bestimmten Punkt eine sich selbst verstärkende Aufwärtsspirale. Diese Aufwärtsspirale haben die VSA unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg erlebt und in Deutschland begann sie ggü. den VSA etwas verzögert Ende der fünfziger Jahre. China hat diese Phase in den letzten Jahren durchlebt und steht aktuell kurz vor dem Ende dieser Entwicklung.

Diese Wachstumsspirale bedeutet ein enormes Wachstum der Volkswirtschaften über einen relativ langen Zeitraum. In dieser Zeit steigt auch die Verschuldung kräftig an. Sie ist jedoch durch entsprechende sinnvolle Investitionen gedeckt. Es ist enorm viel Geld im Umlauf. Die Staatseinnahmen steigen sprunghaft an und die Staatsausgaben können generös ausgeweitet werden. Die Inflation brummt. Es geht bei steigenden Löhnen vielen Menschen deutlich besser als jemals zuvor. Ein breiter Mittelstand kann entstehen. Alte Schulden können leicht getilgt werden.

Das Problem von Machtsystemen, insbesondere von demokratischen Machtsystemen, ist die zeitliche Perspektive der Machtausübung. Jeder Machthalter ist ständig bestrebt seine Macht im aktuellen Moment möglichst auszubauen und abzusichern. Wenn es dafür Spielraum gibt, wird er diesen Spielraum nutzen, um seine Macht zu festigen.

Das Wachstum der Volkswirtschaften beim Aufbau städtischer Infrastruktur liefert scheinbar auch für diese Festigung große Spielräume. Dass die Spielräume von den Machthaltern deutlich überschätzt wurden, zeigt sich erst dann, wenn die Haltbarkeit der geschaffenen Infrastruktur ihre Grenzen erreicht.

In dem Moment, wo ein erster Erneuerungsbedarf bei der Infrastruktur festgestellt wird, lässt sich dieser noch gut bewältigen. Am Anfang sind es nur wenige Elemente der inzwischen lange zurück liegenden Wachstumsspirale, die selektiv erneuert werden müssen. Diese Kosten lassen sich durch Einsparungen oder weniger Neu-Investitionen i.d.R. noch gut decken. Dezentrale Infrastruktur von geringer Wichtigkeit (wie Büchereien und Schwimmbäder) wird dabei in der Fläche weiter reduziert und das Heil in einer weiteren Konzentration an weniger Orten als zuvor gesucht. Anfänglich werden die Einsparungen mit qualitativen Verbesserungen kombiniert, um so die eigentliche Einsparung zu verschleiern.

Die Unlösbarkeit der Aufgabe wird deutlich, wenn weite Bereiche der städtischen Infrastruktur umfangreiche Erneuerungen bedürfen. Jetzt bemerken aufmerksame Beobachter den Verfall der Infrastruktur. Lange zuvor haben Experten die Machthalter auf die kommenden Aufgaben/Probleme hingewiesen. Aber diese haben selbstverständlich nach wie vor eher Neubauten favorisiert, um die mit diesen Objekten verbundenen Effizienz- (und Image-)gewinne zu realisieren. Anfangs sind die Probleme eher optischer Natur und es ergeben sich funktionale Mängel im Vergleich zu Staaten, die ihre Wachstumsspirale später hatten. Die Probleme der nicht mehr finanzierbaren Infrastruktur erreichen die letzte Stufe, wenn es zu den ersten physischen Ausfällen kommt, weil notwendige Erneuerungen zu lange verschoben wurden.

Zu meiner These gehört: Die Erneuerung der Infrastruktur wäre möglich, wenn man von Anfang an etwa 1,5% des GBP pro Jahr in Rücklagen gesteckt hätte, um sich auf den Reparatur-Stau vorzubereiten. Diese Rücklage hätte sogar doppelte Vorteile: 1) es wäre Geld da, um die Reparaturen durchzuführen. 2) es wäre in den Jahren zuvor schon deutlich weniger gebaut worden, weil ein Teil der vorhandenen Mittel in die Rücklagen geflossen wäre und so nicht für Investitionen verfügbar gewesen wäre.

Warum ist das Problem eigentlich so groß?

Warum kann man die Infrastruktur jetzt nicht einfach aus dem „normalen Haushalt“ erneuern?
Diese Frage konnte ich in meinen letzten Beiträgen noch nicht so klar beantworten, aber ein Blick auf China macht den Effekt klar:

Heute gibt es in China zig Millionen von Bauarbeitern. Die stampfen neben hunderten Millionen-Städten eine gesamte Hochgeschwindigkeits-Eisenbahn-Infrastruktur von 16.000 km in 15 Jahren aus dem Boden, davon gut 7.000 km von 2011 bis 2015. Eine wirklich respektable Leistung. Allerdings nähert sich der Bau-Boom in China langsam dem Ende. Es gibt einfach immer weniger zu bauen, was vernünftige Renditen erwarten lässt.

Am Ende der Aufwärtsspirale

Am Ende der Aufwärtsspirale muss eine Anpassung der Wirtschaft erfolgen. Sie ist (durch die Quantität des Problems) in jedem Fall schmerzlich und war es bei uns in West-Deutschland Ende der 70iger sowie in Ost-Deutschland um 1996 auch. Was passiert aber genau?

Die Anzahl der Arbeitsplätze im Bausektor muss drastisch reduziert werden. Erstmals steigt die Arbeitslosigkeit wieder signifikant an. Die Menschen müssen in anderen Bereichen der Wirtschaft untergebracht werden. Dieser Prozess ist schwierig, nicht selten wurden zum Ende der Aufwärtsspirale Überkapazitäten (Blasen) geschaffen, die einen umso schärferen Stopp jeglicher Bau-Nachfrage und damit Beschäftigungsmöglichkeiten bedeuten. Viele Menschen müssen sich umorientieren und sind zumindest vorübergehend arbeitslos. Der Prozess ist aber auch relativ irreversibel. Menschen die in der Folge der Umorientierung leichtere Arbeiten durchgeführt haben oder längere Zeit arbeitslos waren, sind danach nicht mehr in der Lage oder willens die schwere Arbeit im Bausektor zu ertragen. So werden dort statt Menschen immer mehr Maschinen eingesetzt, was die Arbeit zwar teurer, aber dafür mit wenig Menschen realisierbar macht. Parallel steigen die Löhne am Bau im Verhältnis zum Anfangsphase der Aufwärtsspirale stark an. Insgesamt pendeln sich die Anzahl Menschen und Maschinen, die im Bausektor arbeiten, auf ein neues, niedriges Niveau ein. Alleine diese Umstellung stellt einen Effizienzgewinn dar, der eben in allgemeinen Wohlstand umgemünzt wird, weil die Menschen jetzt in anderen, Bereichen arbeiten müssen/können und so zusätzliches Sozialprodukt generieren. Weitere Aspekte dieser Effizienzverbesserung sind wie bereits geschrieben die Kontinuität der Arbeit (also fehlende Wetter- und Jahreszeitenabhängigkeiten) sowie die weitere räumliche Verdichtung der Arbeit mit kürzeren Wegen sowie die weitere Arbeitsteilung mit Spezialisierung, Automatisierung und Skalen-Effekten.

Nichts hält ewig

Was passiert, wenn jetzt aber der Erneuerungsstau im Bereich der städtischen Infrastruktur so stark wird, dass er nicht mehr zu ignorieren ist und auch nicht mehr durch einfache kleine Reparaturen zu beheben ist? (Die hatte man ja als Politiker über viele frühere Jahre immer so schön verschieben können.)

Man stellt fest, die notwendigen Ressourcen fehlen vorne und hinten. Die finanziellen Ressourcen sind knapp, aber die kann / könnte man über die Zentralbanken „drucken“. Das Problem wird unlösbar bei den Menschen, die im Bausektor fehlen und auch bei den Maschinen, die diese Menschen für ihre Arbeit benötigen (würden). Die Maschinen wären dabei noch das geringere Problem, die Hersteller würden gerne produzieren und liefern. Woher aber soll man die Menschen nehmen, die das Fachwissen haben, um die Maschinen in den nötigen Quantitäten zu bedienen. Das Hauptproblem ergibt sich auch hier wieder aus dem Wachstumszwang. Wie soll es funktionieren, die bisherige Wirtschaftsleistung zu steigern, wenn plötzlich zusätzlich viele Menschen und Ressourcen für die Erneuerung der alten, bestehenden Infrastruktur benötigt werden, die in den letzten Jahrzehnten einfach ohne jegliche Kosten genutzt wurde. Hätte man künstliche Kosten in Form einer Rücklage erzeugt, wäre das Problem beherrschbar. Da man dies aber nicht getan hat, kommt man jetzt in große Schwierigkeiten.
Wie will man das Problem lösen, ohne ein Schrumpfen der Wirtschaft auszulösen, das in eine Abwärtsspirale mündet? Eine Möglichkeit wäre die Arbeitslosen der Industrieländer wieder auf den Bau „zu zwingen“. Ich denke nicht, dass diese Variante funktionieren wird. Ein paar Reserven lassen sich dort vielleicht mobilisieren, aber wirkliche Erfolge wird man nicht haben. Eine andere Lösung (für den Westen) wäre, Bauarbeiter aus China zu vorübergehend zu importieren, die die Ressourcen-Probleme im Bausektor lösen könnten, und China die Möglichkeit geben würden seinen Bausektor langsam(er) an den zukünftigen Inlandsbedarf anzupassen. In diese Richtung geht wohl auch das international in Verhandlungen steckende TISA-Projekt. China könnte die Leute sogar selbst bezahlen und danach für die Vermietung der Infrastruktur Miete kassieren, was den Abstieg des Westens verzögern und den Wohlstand Asiens nachhaltiger machen würde. Das bleibt aber aus Gründen der politischen Durchsetzbarkeit vielleicht doch eine unwahrscheinliche Variante.

Wenn es trotzdem gut gehen würde mit TISA und dem Drucken des notwendigen Geldes, hat die Welt zwar (wieder) etwas Zeit gekauft, aber spätestens dann erneut das gleiche Wachstums-Problem, wenn Chinas Infrastruktur die Phase erreicht, in der der Westen heute feststeckt. Aber Machthaber kaufen stets und ständig nur Zeit um an der Macht zu bleiben, ihre Privilegien zu genießen und die Bevölkerung zu unterdrücken und auszusaugen. Insofern wäre es die übliche Problemverschiebung.

Abwärtsspirale, was ist das überhaupt?

Das Gegenstück zu Wachstumsspirale ist die Abwärtsspirale. Sie kündigt sich lange an, um dann urplötzlich mit voller Härte und irreversibel einzusetzen. Die Verschuldung hat sich dann bis zu einem Maximum erhöht. Die Schulden wachsen inzwischen kaum noch an oder gehen sogar kurzfristig in Summe immer mal wieder etwas zurück. Der Staat kann seine Ausgaben schon lange nicht mehr decken und hat viele Schulden gemacht. Viele Staaten haben bei den Schulden zu dieser Zeit kritische Grenzen erreicht, bei denen die Rückzahlung in Frage steht. Betrieblich hat sich verbunden mit einer enormen Konzentration auf immer weniger, immer größere Betriebe die Verschuldung ebenfalls extrem gesteigert. Viele Bilanzen von Großunternehmen verschleiern die Unmöglichkeit der Rückzahlung dieser Schulden erfolgreich. Eine Steigerung der Löhne liegt lange zurück, vielfach mussten selbige sogar gekürzt werden, damit die Betriebe überhaupt überleben konnten. Was steigt sind die Kosten, insbesondere die für Energie und Nahrungsmittel. Hier macht sich die Steigerung des Wohlstands in der übrigen Welt bemerkbar. Für die Chinesen ist es einfach, aus ihren Lohn-Zuwächsen die teureren Lebensmittel zu erwerben. In den Ländern, die sich kurz vor einer Abwärtsspirale befinden gibt es keine Zuwächse sondern allenfalls Stagnation. Hier müssen die höheren Kosten durch Einsparungen bei anderen Ausgaben kompensiert werden. Dies führt zu einem Schrumpfen von Wirtschaft und Beschäftigung, was zu einem weiteren Schrumpfen von Löhnen (in der Summe) und Steuern führt und in der Summe weitere Ausgabekürzungen bedeutet und damit eine weitere Schrumpfung des Sozialprodukts. Die Leistungsanbieter reagieren mit Preissenkungen, die anfangs noch zu einer Kompensation der Absatzeinbußen bei geringeren Gewinnen führen. Ab einem gewissen Punkt hilft auch das nicht mehr. Immer mehr Betriebe müssen die Produktion ganz einstellen. Der Preisverfall führt außerdem zu einer Wartestellung der potentiellen Käufer, weil sie berechtigt annehmen die Produkte nach einer weiteren Wartezeit noch billiger erhalten zu können. Wobei die Kosten für Energie und Nahrungsmittel unabhängig davon weiter steigen. Insgesamt ist in der Gesellschaft zwar sehr viel Wohlstand und Geld vorhanden. Aber kaum etwas von diesem Geld ist noch in der Realwirtschaft sowie bei einer Mehrheit der Menschen im Umlauf. Damit entsteht das eigentliche Hauptproblem. Die vorhandenen Schulden können immer weniger bedient werden. Das gilt für betriebliche, private und staatliche Schulden gleichermaßen. Hinzu kommt, dass die fallenden Preise dazu führen, dass die Kreditsicherheiten nicht ausreichen, um die Kreditausfälle zu kompensieren. Damit gerät der gesamte Banksektor in unbeherrschbare Schwierigkeiten. Er verliert die Fähigkeit neue Kredite zu vergeben, die für ein erneutes Wachstum der Sozialprodukte erforderlich wären.

Es ergeben sich jetzt drei Fragen:
1) Warum löst der großflächige Verfall der Infrastruktur eine unvermeidliche Abwärtsspirale aus?
2) Warum ist die Abwärtsspirale dieses Mal besonders gravierend?
3) Warum kann die Abwärtsspirale dieses Mal nicht mit einem Schulden-Guthaben-Schnitt beendet werden?
Bevor wir auf diese Fragen eingehen, muss aber geklärt werden, warum das Schrumpfen des Sozial-Produkts überhaupt eine so kritische Angelegenheit ist.

Warum ist das Schrumpfen des Sozialprodukts so kritisch?

Die Staatseinnahmen in Form von Steuern und Abgaben sind direkt proportional zum erzeugten Sozialprodukt. Es beeinflusst die Möglichkeiten des Machthalters zu agieren. Der Machthalter kann sich jedoch nur an der Macht halten, wenn er seinen Bereich weiter ausbaut. Insbesondere dann, wenn er deutlich sichtbare Schulden gemacht hat. Gelingt es ihm nicht mehr Wachstum (auch nur vorzutäuschen, wie die VSA das gerade machen), wird jedem Betrachter klar, dass die Rückzahlung der Schulden unmöglich wird. Die Schulden steigen im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit dann nämlich weiter an, selbst wenn gar keine neuen Schulden mehr gemacht werden müssten. In der Praxis müssen in den von Keynes geprägten Wirtschaftsräumen in solchen Situationen stets mehr Schulden gemacht werden. Die Schuldenquote explodiert dann. Die Verschuldungsfähigkeit ist am Ende dahin und damit wird die Abwärtsspirale durch einen Staatschuldenkollaps ausgelöst werden. Das muss unbedingt vermieden werden. In den PIGS-Ländern konnte dies aufgrund von Anstrengungen des Euro-Raums bislang vermieden werden. Das QE der FED und der EZB zielen genau darauf ab, diesen Staatsschuldenkollaps zu verschieben. Vermeiden können sie ihn nicht. Man hofft stets „uns wird schon noch etwas neues einfallen“. Was in den letzten 14 Jahren auch gut gelungen ist.
Der Staat ist nicht in der Lage sinnvoll zu sparen. Der demokratische Staat schon gar nicht. Hier sind die Machthalter noch ganz anderen Risiken ausgesetzt, als dies bei Diktaturen der Fall ist. Deshalb sind sie ständig darauf gedacht das Sozialprodukt steigt, was auf der anderen Seite nur heißt, dass sie noch mehr Geld aus der Bevölkerung herauspressen können. Aber sie können dieses „mehr an Geld“ auch großzügig zwecks Macht-Ausbau verteilen.

Hier im Forum wird von einer Minderheit die Behauptung aufgestellt, dass den Menschen dieser Zwang irgendwann zu groß wird, und sie sich deshalb gegen den Staat auflehnen werden. Den Staat also als Institution nicht mehr unterstützen und keine Steuern und Abgaben mehr zahlen werden. Ich halte diese Denkweise für falsch. Solange die Zahler bei dem Verfahren insgesamt profitieren und sei es nur durch ein „weiter so, ohne große Umbrüche“ wird der Staat nicht in Frage gestellt werden; keinesfalls in Deutschland, vielleicht in Frankreich oder Griechenland.
Aber was passiert mit solchen Nationen die den Staat in Frage stellen. Sie lösen den eigenen Kollaps aus. Nichts wird besser, für niemanden. Alle Menschen, die in den Städten leben, leiden nur stärker als vorher. Für jeden der vernünftig denken kann, ist dies keine sinnvolle Alternative.

Zwischen Aufwärts- und Abwärtsspirale liegen viele Jahre

Die Dynamik des Wachstums ändert sich mit dem Ende der Aufwärtsspirale. Jetzt sind die Effizienzgewinne bei weitem nicht mehr so groß. Sinnvolle, lohnende Investitionsziele werden langsam aber sicher immer weniger. Der Staat greift immer mehr steuernd und leitend in die Wirtschaft ein.
Ständig muss das Sozialprodukt wachsen, ständig müssen die Steuereinnahmen wachsen, ständig muss mehr aus den Bürgern herausgepresst werden und deshalb müssen diese unter ständig höherem Druck mehr leisten. Dies geht natürlich nur, wenn man diese zwangsläufige Entwicklung seitens der Machthalter gut versteckt. Dazu gehört, dass der höhere Zwang mit immer komplizierteren Gesetzen immer feiner verteilt wird. Sehr wohl sind die Herrscher dabei auf eine geheuchelte Gerechtigkeit bedacht. Schließlich wollen sie, dass die Sklaven arbeiten und nicht rebellieren. Die ständig komplizierteren Gesetze erfordern mehr spezielle Beratungsleistungen. Kurz vor der Abwärtsspirale braucht die Regierung schon ganze Heere von Rechtsberatern, die die Gesetze überhaupt erst formulieren. Auf Seiten der Wirtschaft, die sich nach den Gesetzen richten muss, sieht es nicht anders aus. Ständig steigen z.B. die vorgeschriebenen Anforderungen z.B. bei der Sicherheit. Damit gelingt es den Produkt-Anbietern sinkende Preise zu vermeiden, denn stets wird zum selben Preis mehr Leistung (mehr Sicherheit) geboten. Das gute dabei: das Sozialprodukt fällt nicht, die Einnahmen des Betriebes fallen nicht, die Steuereinnahmen fallen ebenfalls nicht. Außerdem werden laufend neue Überwachungszwänge geschaffen. Neben Schornsteinen und Abgasen der Heizungen werden jetzt z.B. auch noch Rauchmelder und Hauswasser-Anlagen auf Legionellen kontrolliert. Natürlich müssen all diese Prüfungen bezahlt werden. Aber sie sorgen auch für zusätzliche Arbeit und zusätzliches Sozialprodukt und natürlich für zusätzliche Steuereinnahmen.
Deshalb mögen die Machthalter solche Gesetze. Alle diese Gesetze führen zu einem ständigen wachsen der Wirtschaft, um so den Start der Abwärtsspirale zu vermeiden. Auch Umwelt-Auflagen wie gesteigerte Abgasnormen für Kfz und Heizungen, Dämmvorschriften für Gebäude, Lärmvorschriften für Flugzeuge können die Wirtschaft am Laufen halten. Stets und ständig werden die Bürger direkt oder indirekt gezwungen mehr zu bezahlen also auch vorher mehr zu leisten. Wer dem Druck nicht stand hält wird aussortiert und alimentiert, um die Ruhe zu gewährleisten. Solange die Verhältnisse von Arbeitenden zu Aussortierten stimmen, lässt sich das System betreiben. Im Zweifelsfall wird die Zuwendung für die Aussortierten reduziert.
Irgendwann reichen weitere Zwänge nicht mehr aus, um mehr aus der Bevölkerung herauszupressen. So gefallen den Betrieben anfangs die ständig steigenden Anforderungen gut. Können sie doch ihre Leistungen steigern und die Preise erhöhen oder zumindest gleich halten. Je länger die Zeit läuft und je größer die Abgabenlast wird, desto weniger können die Menschen für gewisse Produkte bezahlen. Ab diesem Punkt verkehrt sich der frühere Vorteil in das Gegenteil. Die Produkte müssen sehr aufwendig produziert werden, aber der Preis muss trotzdem gesenkt werden, damit bei schwindender Kaufkraft überhaupt noch etwas verkauft wird. Der einwachste Weg ist hier zunächst der Zukauf von Komponenten aus dem billiger produzierenden Ausland. Später wird dort dann die gesamte Fertigung vorgenommen. Am Ende sinkt die Qualität der Produkte und es werden bewusst Schwachstellen in die Produkte eingebaut, damit sie nicht zu lange halten. Nur so kann man in einigen Jahren neue Produkte verkaufen. Auch hier gibt es ein stilles Einverständnis mit den Machthaltern. Sie wollen auch weiter Steuern einnehmen. Leittragender ist dabei die Umwelt, denn es werden unnötig wertvolle natürliche Ressourcen verbraucht. Nur ist natürlich ein Schrumpfen der Wirtschaft, wie es die Umweltschützer immer wieder fordern illusorisch. Es würde den Kollaps eben nur früher auslösen. Ist also ein freiwilliger Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Dem stimmen die Machthalter natürlich nicht zu.

Irgendwann ist auf diesem Weg kein Wachstum mehr zu erzielen. Es gibt Stagnation.

Die Abwärtspirale wird nur noch mit unterschiedlichen Tricks vermieden.

In Japan konnte man eine Abwärtsspirale in den letzten dreißig Jahren ständig knapp vermeiden und sich mit einer Stagnation mühsam „über Wasser halten“. Inzwischen ist die Staatsverschuldung allerdings so hoch, dass sie niemals rückzahlbar ist. Das ist nur deshalb kein Problem, weil die Ersparnisse der japanischen Altersversorgung gleichzeitig die japanischen Staatsschulden sind. Wie die jüngere Generation jetzt Steuern und Schulden (also die Renten) gleichzeitig bezahlen soll, ist zwar völlig unklar, aber Machtpolitik ist ja stets nur auf den Moment ausgerichtet und die Probleme kommen ja erst jetzt, 30 Jahre später ans Licht. Jetzt ist es so weit. Um weiter Schulden zu machen, wird in Japan jetzt außenpolitische Unsicherheit erzeugt. Man spielt mit kriegerischen Machtgebahren, in der Hoffnung für den Rüstungsbereich weitere Schulden „machen zu dürfen“.
Das Konzept funktioniert in den VSA hervorragend. Deren Militär-Apparat ist hervorragend geeignet, um Gelder aus der Staatsverschuldung in den breiten Wirtschaftskreislauf einzuschleusen. Dabei fällt viel Geld für wenige Häuptlinge (Oligarchen) ab und viel weniger Geld für die Angestellten im militärischen Sektor. Allerdings ist es überhaupt eine Möglichkeit, für den Staat Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen. Dies ist nämlich gar nicht so einfach, wie hier und hier schon einmal dargestellt wurde. Ob die Homeland-Security oder die NSA-Ausdehnung: stets und ständig helfen die Geldverteilungsmechanismen dieser völlig unproduktiven und nur über Schulden darstellbaren Systeme, den Kollaps der VSA zu vermeiden. Möglich wird dies nur, weil die Manipulation sämtlicher Wirtschaftsstatistiken die Realität des permanenten wirtschaftlichen Abstiegs professionell verdeckt.
Spätestens wenn Obama den Krieg in Afghanistan beendet hat, wird der Abstieg unvermeidlich folgen. Der Krieg ist zwar auch nicht mehr finanzierbar, aber wenn die Geldverteilung aufhört, sinkt die Wirtschaftleistung, wie sich bereits im ersten Quartal gezeigt hat. Auf so vielen Lügen und so viel Gewalt lässt sich kein Staat mehr aufbauen. Die VSA werden untergehen. Die Welt kann nur hoffen, dass sie dabei ihr Gewaltpotential nicht noch negativer ausnutzen, als dies bisher schon der Fall war.

Zurück zur eigentlichen Frage:

Warum löst der großflächige Verfall der Infrastruktur eine unvermeidliche Abwärtsspirale aus?

Hier kann man zunächst anführen, dass diese Situation immer im Rahmen der langen Zyklen (Kondratjew) entstanden war. All diese Gründe gelten auch heute fort und wie aufgezeigt wird, lässt sich das Kernproblem auch nicht durch „intelligente“ Zentralbanken lösen.

Man steht an einem bestimmten Punkt vor der Wahl

a) entweder Teile der erneuerungsbedürftigen Infrastruktur still zu legen und damit auf sie zu verzichten oder
b) man muss Ressourcen aus anderen Wirtschaftsbereichen abziehen, um sie für die Erneuerung bereit zu stellen.

In der Praxis wird man sich sicher eine Mischung aus beiden Komponenten realisieren. Der Verzicht auf Teile der Infrastruktur führt zu Effizienz- und Arbeitsplatzverlusten, die die vormaligen Effizienz- und Arbeitsplatzgewinne aus der Zeit der Aufwärtsspirale wieder neutralisieren. Das auf diesen Effizienzgewinnen beruhende Sozialprodukt kann damit nicht mehr erwirtschaftet werden. Es kommt zu einer Schrumpfung des Sozialprodukts. Nichts anderes ist auch bei der Umschichtung von menschlichen Ressourcen aus anderen Wirtschaftsbereichen in den Bausektor der Fall. Anders als zu Zeiten der beginnenden Aufwärtsspirale können nicht Menschen aus ineffizienten Berufen im ländlichen Sektor abgezogen werden. Sie müssen aus Bereichen kommen, deren Produktivität bereits einen notwendigen Beitrag zum bestehenden Sozialprodukt leistet, der nach der Umschichtung fehlen muss. Verschärfenden kommt hinzu, dass bereits in vielen entwickelten Ländern die Bevölkerung nicht mehr wächst. Gerade der Anteil der arbeitenden Bevölkerung steht durch das altersbedingte Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge aus der Wachstumsphase vor einem deutlichen Rückgang.

Sollten die internationalen Leiharbeiter mit TISA oder ähnlichen Projekten nicht eingeführt werden, sehe ich deshalb keine Möglichkeit, dass Abwärtsspiralen in Japan, den VSA, dem VK sowie Frankreich jeweils abgewendet werden können. Diese Abwärtsspiralen würden natürliche weitere Abwärtsspiralen in anderen Ländern, so auch in Deutschland, Kanada und Australien auslösen. Die restlichen Staaten Europas könnten sich dem auch keinesfalls entziehen.

Was passiert bei einer Abwärtsspirale mit der städtischen Bevölkerung?

Ständig zunehmende Teile der Bevölkerung haben keine bezahlte Arbeit mehr. Damit fällt die Nachfrage ständig weiter ab. Auf die sinkende Nachfrage reagieren die Anbieter mit einer Senkung des Angebots, was wiederum Arbeitskräfte freisetzt. Händler die nicht aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssen, sehen sich zunehmender Gewaltanwendung und Plünderungen gegenüber. Wer Hunger hat und nichts mehr verlieren kann, holt sich das was verfügbar ist, zur Not mit Gewalt. Die Kosten für die Sicherheit steigen damit rapide an und steigern so die Fixkosten.

Warum ist die Abwärtsspirale dieses Mal besonders gravierend?

Früher konnte jeder Einzelne sich einen Teil der notwendigen Lebensmittel dezentral im Garten hinter dem ländlichen Haus selbst erzeugen. Feuerholz konnte im Sommer gesammelt und im Winter genutzt werden. Das war die dezentrale Redundanz. Sie war in den Städten nicht mehr erforderlich. Hier hatte man gemeinsame Einrichtungen und Dienstleister für alle. Die gemeinsam finanziert wurden und damit bei hoher Qualität besonders günstig waren.

Genau diese zunächst positive Entwicklung kehrt sich bei der Abwärtsspirale an einem bestimmten Punkt ins Gegenteil um. Nämlich immer dann, wenn die gemeinsamen Einrichtungen nicht mehr gemeinsam finanziert werden können. Das passiert, wenn immer mehr anteilige Zahler ausfallen. So kann in einem Mietshaus kein Öl mehr gekauft werden, wenn 40% der Mieter nicht mehr zahlen. Die Verbleibenden können die Differenz i.d.R. nicht ausgleichen, zumal der Verbrauch nicht um 40% sinkt, selbst wenn man die Heizungen in den Wohnungen der Nichtzahler komplett abdrehen würde. Nach diesem Prinzip entwickelt es sich überall. Die früheren Effizienzgewinne durch Zentralisierung und Teilung der reduzierten Kosten lösen sich auf. Natürlich kann im zurückliegenden Beispiel auch der Vermieter den Kredit für seine Investition nicht mehr bedienen oder eine Rendite für sein im Mietobjekt angelegtes Geld erwirtschaften.
In dem Moment, in dem der Staat die vielen Ausfälle nicht mehr durch Ausgleichszahlungen (wie Sozialhilfe/Wohngeld etc.) kompensieren kann und so keine Zeit für einen halbwegs geordneten Umbau gewonnen werden kann, wird der Kollaps der Städte ausgelöst. Bislang gab es seit vielen Jahrzehnten keinen solchen Kollaps. Stets erfolgten notwendige Kompensations-Zahlungen durch den Staat selbst oder wenn er das Geld nicht aufbringen konnte durch Kredite der EU, des IWF, der US-Bundesregierung oder die Weltbank. Irgendeine größere Einrichtung kam immer, um die instabilen aber effizienten Städte zu retten.

Geht die Ordnung in den Städten jedoch absehbar verloren, strömt ein größer werdender Teil der städtischen Bevölkerung wieder zurück aufs Land. Wer in den Städten verbleibt und noch zahlungskräftig ist, egal ob betrieblich oder privat, wird mit dem Problem weiter steigender Kosten konfrontiert. Die Verteilung der unveränderten Gesamtkosten muss auf permanent weniger Zahlungsfähige umgestellt werden. Gelingt diese neue Verteilung der Fixkosten nicht oder nur nicht schnell genug, kommt es zu einem Kollaps des Angebots. Es lohnt nicht mehr Waren / Zeit und Geld oder sogar Leben (wegen der fehlenden Sicherheit) zu investieren, weil kein Überschuss mehr erzielbar ist, sondern nur Verluste entstehen. Damit ist der Kollaps der Stadt insgesamt besiegelt und es muss eine Flucht auf das Land einsetzen, um irgendwie überleben zu können.

Wie entwickelt sich die gemeinsame Finanzierung in der Stadt?

Die gemeinsame Finanzierung von Infrastruktur auf engem Raum sowie die extreme Arbeitsteilung verbunden mit Automatisierung und Skaleneffekten hatte zu besonders kostengünstigen Bedingungen geführt und war der Vorteil der Städte. Genau dieser Vorteil wird sich im Rahmen der Abwärtsspiralen wieder auflösen. Wie passiert das und warum ist es diesmal schlimmer als in anderen Zyklen?

Der Effekt der Unterfinanzierung von gemeinschaftlicher genutzter Infrastruktur zieht sich sehr schnell durch weite Bereiche. Anders als in der Wachstumsphase wird die Abwärtsspirale leider nicht geordnet oder langsam ablaufen. Nein, sie kommt schnell und ungesteuert, sogar unsteuerbar. Es werden nämlich – massenhaft und plötzlich – stets eingehaltene (Zahlungs-)Verpflichtungen oder langjährige (Einkaufs-)Gewohnheiten nicht mehr eingehalten. Die Leistungsanbieter (Vermieter/Betriebe) werden von der Entwicklung komplett überrollt und es würde Kapital und Investitionen erfordern, um die jeweilig bestehende Infrastruktur an die neue Lage anzupassen. Genau dieses Kapital fehlt und selbst wenn es da wäre, würde die Bereitschaft fehlen, es sofort einzusetzen. Jeder vernünftige Investor muss zunächst eine Stabilisierung der Lage abwarten, bevor er etwas Neues unternimmt und investiert. Die breite und gleichmäßige Verteilung der Ausfälle macht das Problem unheilbar. Würden sich Kaufkraftverluste und Zahlungsausfälle pro Stadt nur auf ein einzelnes Stadtviertel konzentrieren, wäre es ein beherrschbares Problem. Dieses eine Viertel würde absterben. Wenn stattdessen aber 25% Zahlungsausfälle in allen Vierteln (in jedem Haus und jedem Betrieb) zu verzeichnen sind, gibt es keine Stabilisierung und es stirbt daran die ganze Stadt. Man müsste rasant durch Umzüge für eine neue Konzentration der Zahlungsfähigen sorgen. Damit könnte man ein Überleben sichern. Nur ist das in solchen Zeiten völlig illusorisch. Wer soll das „wie“ festlegen? Was stirbt, was überlebt? Letztlich sind alle Städte zu groß; zu viele Wohnungen: zu groß; die Büroflächen: zu viele, zu groß; die Einzelhandelsflächen: zu viele, zu groß. Man kann es nur nicht schnell genug schrumpfen. Für diese Übergangszeit müss(t)en die viel zu hohen Betriebskosten eben gemeinschaftlich finanziert werden. Hinzu kommen die Umzugs- und die Umbaukosten. Das könnte nur schwer gelingen, wenn es dafür ein fertiges, ausgefeiltes Konzept gäbe. Es gibt aber gar kein Konzept und deshalb verfallen alle in berechtigte Panik. Der Prozess lässt sich nicht steuern oder stabilisieren.

Würde die Streichung aller Schulden etwas bringen?

Wie von Kondratjew festgestellt, gab es diese Zusammenbrüche auch in der Vergangenheit. Warum wird es diesmal besonders schlimm? Was ist dieses Mal anders und warum gibt es keine Heilung mit einem Schulden-Guthaben-Schnitt, der in der Vergangenheit so oft bereinigend gewirkt hat? Immerhin bleibt die Infrastruktur ja zum großen Teil erhalten und das ist auf den ersten Blick doch eine sehr positive Sache.
Wenn man in der Sammlung des Forums liest, wird auf diese Situation / Entwicklung unter dem Stichwort „Fallhöhe“ eingegangen. Ich möchte an dieser Stelle diesen Begriff im Zusammenhang mit der städtischen Infrastruktur konkretisieren.

Kann durch eine schnelle Streichung aller Schulden sowie die Streichung der dazugehörigen Guthaben eine Heilung der Situation erreicht werden. Einige angeblich sehr schlaue Berater / Beratungsunternehmen schlagen den Regierungen selbiges vor. Offensichtlich würden damit die Banken gerettet werden und die Besitzer von Gold könnten zwischenzeitlich triumphieren, wenn man nicht Gold verbieten und andere Vermögenswerte ebenfalls einbeziehen würde. Es nützt nach meiner Überzeugung aber anders als in früheren Zyklen nichts.
Mit dem Schulden-Guthaben-Schnitt schrumpfte in allen bisherigen Zyklen auch stets in einem erheblichen Umfang das Brutto-Sozial-Produkt. Die Preise waren im Keller, niemand kaufte mehr als unbedingt nötig. Selbst die Machthaber mit ihrem Apparat fielen als Abnehmer von Waren aus.
Die Menschen hungerten, froren und brachten sich dezentral mit Selbstversorgung und Familienhilfe irgendwie über die Runden. In dieser Situation hungerten alle, auch den Machthaltern ging es relativ schlecht bis tödlich (Revolten). In dieser Zeit gab es nichts, was man den Menschen noch abpressen konnte und Schulden ließen sich auch keine mehr machen. Die Schergen konnten nicht oder nur sehr schlecht bezahlt werden und waren entsprechend wenig motiviert zu handeln. Es nützte außerdem niemanden, wenn die Bauern nicht über den Winter kommen oder das Saatgut komplett aufgegessen ist. Alle kannten sich (mehr oder weniger) und wussten, dass sie auch in den nächsten Jahren (mehr oder weniger) auf einander angewiesen sein werden. Man konnte und musste sich dynamisch und schnell auf die schwierige Sonder-Situation einstellen.
Damals auf dem Land hatten die Leute Betriebsmittel und Wissen für die autarke Lebensmittelproduktion. Ihre Unterkünfte erlaubten es diese Betriebsmittel ohne Fahrtzeiten zu erreichen und zu nutzen. Sowohl Betriebsmittel als auch dieses Wissen wurden angewendet, gepflegt und ausgebaut. Sonst wäre man dauerhaft auf eine Versorgung durch Dritte angewiesen werden. Das konnte damals keiner bezahlen und schon gar nicht in einer akuten Deflationskrise am Ende einer Abwärtsspirale. Selbst wenn man für die Unterkunft Miete gezahlt hat, konnte man sich mit dem Vermieter über eine sinnvolle Anpassung der Miete verständigen. Er hätte i.d.R. keinen anderen Mieter gefunden, der zu dieser Zeit an diesem Ort mehr hätte zahlen können.

Genau dies sieht in der heutigen Stadt gänzlich anders aus. Hier gibt es zwar auch unzählige Menschen, die kein Einkommen mehr haben. Sie besitzen ihre Möbel, ihre sonstigen Habseligkeiten, ihr Wissen, ihre Erfahrung und das war es. Wissen und Erfahrung haben sie in Bereichen, für die es i.d.R. keine Nachfrage mehr gibt. Keinesfalls existiert noch Wissen zur Produktion von Lebensmitteln. Und selbst wenn sie dieses Wissen hätten, haben Sie keinen Zugriff auf die notwendigen Betriebsmittel und schon gar nicht in direkter Umgebung, die also ohne Fahrtzeiten und -kosten erreichbar und plünderungssicher wären. Die ursprünglichen Betriebsmittel der Städte werden zu diesem Zeitpunkt nahezu völlig wertlos. Und diese Wertlosigkeit lässt sich auch durch eine Streichung der Schulden und Guthaben nicht aufheben. Zins und Tilgung sind nur ein Teil der Kosten für die die Städter laufend aufkommen müssen und in der Vergangenheit (seit Beginn der Aufwärtsspirale) stets und ständig besser aufkommen konnten.

Die Betriebskosten bleiben erhalten.

Die vielen arbeitslose Menschen müss(t)en nach wie vor eine Kette von Lieferanten beschäftigen, damit sie ihre Lebensmittel bekommen, die sie nämlich nicht selbst erzeugen können. Da sie diese Lieferanten aber eben nicht mehr bezahlen können, werden diese natürlich nichts liefern und auch der Staat wird mit den Mengen der Arbeitslosen absolut überfordert sein. Staatliche Sozialhilfe wird es, wenn überhaupt, in marginalen Größen zu den tatsächlichen Kosten geben.
Früher wurden sehr einfache Lebensmittel aus den regional produzierten Basisstoffen erzeugt. Vielfach wurde selbst das Brot von den Bauern selbst gebacken und nicht in der Stadt gekauft. Der Besuch in der Stadt war durch die Reisezeiten und damit die Transportkosten viel zu hoch. Der Anteil der Transportkosten in den Lebensmitteln war minimal.
Heute werden Lebensmittel aus sehr speziellen Basisstoffen in wenigen Fabriken konzentriert produziert. Dafür müssen die speziellen Basisstoffe in einem verzweigten Netzwerk großflächig eingekauft werden. Dann werden mit viel Wissen und speziellen Maschinen qualitativ sehr sehr hochwertige Lebensmittel produziert. Diese werden danach auf riesige Gebiete verteilt. Diese Verteilung ist in den Städten durch die hohe Konzentration sehr kostengünstig möglich. Insbesondere weil viele Wege über Verteilzentren geschickt gebündelt werden. Nur enthalten all diese Produkte enorme Transportkosten, die es so früher nicht gab. Solche überregional produzierten Güter können von mittellosen Menschen nicht gekauft werden. Sie können weder die spezielle Veredlung noch die Transportkosten zahlen. Sie bräuchten regional produzierte einfache Basisstoffe um daraus einfache Lebensmittel selbst produzieren zu können. Dann und nur dann wären die Kosten minimal und in/nach solchen Abwärtsspiralen überhaupt tragbar.
Aber die Transportkosten sind ebenfalls nur ein Teil, der Gesamtbetriebskosten. Die vielen Gesetze und Regelungen, die von Leistungsanbietern inzwischen einzuhalten sind, sowie die inzwischen sehr hohe Mehrwertsteuer, die als Abgabe an den Staat abgeführt werden muss, machen das ganze System extrem teuer.
In der Zeit vor der Abwärtsspirale konnte man wie oben dargestellt mit solchen Regelungen stets noch etwas mehr Geld aus den Untertanen herauspressen. Alle mussten sich noch ein klein wenig mehr anstrengen. Jetzt, in der Abwärtsspirale, steigern genau diese Regelung die ohnehin zu hohen Kosten zusätzlich und machen es den Leistungsanbietern unmöglich ihre Leistungen (rechtskonform) zu bezahlbaren Preisen zu liefern. Anders als in früheren Zyklen läuft es diesmal nicht regional und persönlich, wo Anpassungen und Ausnahmen schneller möglich waren, sondern zentral und deshalb unpersönlich.
Heutige Städte sind in den Zeiten massiver Abgaben und damit riesiger erzwungener Überschussproduktion solche filigran konstruierten komplexen Gebilde, die grundsätzlich nur auf Wachstum ausgelegt sind. Die komplexen Regeln lassen sich allenfalls minimal zurückbauen, denn jeder Rückbau bedeutet ein Verzicht auf erzwungene Produktion/Leistungen und damit auf erzwungenes Sozialprodukt. Wenn das gesamte System gut wächst, kann auf ein Teil des Sozialprodukts natürlich schon verzichtet werden. Dafür gibt es ja eine Kompensation an anderer Stelle. Zu guten Zeiten ist das System durchaus reformfähig. Man merkt leider erst viel zu spät in welche Sackgasse man sich manövriert hat. Denn erst wenn das gesamte System am oberen Maximum angekommen ist und kurz vor der Abwärtsspirale steht oder sich bereits in der Abwärtsspirale befindet, muss jeder Anteil am Sozialprodukt unbedingt gehalten werden. Kurz vor oder in der Krise stellt man fest, dass das gesamte so schön gewachsene System nicht reformierbar ist. Weil jede Entlastung der Wirtschaft, jeder Verzicht auf eine noch so unsinnige Regelung stets nur noch weniger Arbeit und Sozialprodukt bedeutet und damit die ohnehin bereits drohende / laufende Abwärtsspirale nur noch weiter verschärft.
Weil Reformen ab einem bestimmten Punkt ausgeschlossen sind bleibt nur der Kollaps.

Wenn der Zwang und damit der Staat seinen Sinn verliert

Städter sind dauerhaft auf gut funktionierende Versorgungsleistungen angewiesen, ohne die sie eben nicht so konzentriert (über-)leben können. Trotz Schuldenschnitt bleiben die laufenden Kosten, die sich durch einen Schuldenschnitt vielleicht etwas reduzieren, die aber keinesfalls auf null zurückgehen. Diese kontinuierlich zu bezahlenden Leistungen erfordern kontinuierliche Einnahmen oder Ersparnisse. Menschen, die diese Kosten nicht aufbringen können, leisten auch keinen Beitrag mehr zum Staatswesen. Sie werden aus staatlicher Sicht wertlos.
Werden diese wertlosen Menschen, die absehbar keinen Beitrag zum Staatswesen mehr leisten können, zu viel, werden sie lästig und gefährlich. Ab diesem Moment fängt der Staat an sie zu bekämpfen. So verbieten z.B. immer mehr US-Städte die Speisung von Obdachlosen. Ab diesem Moment wird der Staat für die Betroffenen zunächst wertlos und dann zum Feind. Sie besitzen nichts mehr, was sie irgendwie verlieren könnten und der Staat entzieht ihnen das, was ihn im Kern rechtfertigt: den Schutz.

So und nur so löst sich die Symbiose von Regierung und Untertanen, von heutigen Herrschern und heutigen (sich freiwillig unterwerfenden) Sklaven auf. In dem Moment, wo jeder Zwang sinnlos wird, weil ohnehin nichts mehr zu holen ist; In dem Moment, in dem die Gewalt nicht mehr zum Schutz der Sklaven sondern zu ihrer Bekämpfung eingesetzt wird; In dem Moment in dem das System mit der Gewalt die es stets erfolgreich ausgeübt hat, nichts mehr erreichen kann, in dem Moment kommt es zum vollständigen Kollaps.
Die Macht der Situation, ist stärker als der Staat. Sie zwingt die Menschen, die noch einen Überlebenswillen haben aufs Land. Nur hier können sie irgendwie die erforderlichen Lebensmittel bekommen. Ab einem bestimmten Punkt wird diese Entwicklung fluchtartig und panisch. Denn jeder, der geht, verschärft die Probleme der Bleibenden. Auch hier bestätigt sich: „If there will be a panic, panic first.“ Eine Stabilisierung ist nicht mehr möglich.
Diese Stabilisierung tritt erst dann ein, wenn die Leute sich wieder dezentral auf dem Land selbst versorgen können. Das werden dann allerdings viel weniger Menschen sein, als vorher in den Städten gelebt haben. Große Teile der Bevölkerung werden schlicht und einfach verhungern oder der Gewalt erliegen, die parallel zu massenhaftem Hunger entsteht.

Später in der Erdgeschichte werden die Historiker wieder einmal ermitteln, dass auch unsere Kultur an Hungersnöten zu Grunde gegangen ist. Leider werden sie es wie bei den Maya auf die Folge von Missernten und Klimaveränderungen schieben, weil sie die systemischen Zusammenhänge nicht erkennen wollen oder erklären dürfen.

Warum wird der Kollaps dieses Mal so überraschend kommen und besonders schlimm ausfallen?

Weil niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit hatten wir die Effizienzvorteile der Städte und die Verteilung der Finanzierung/Kosten so weit vorangetrieben. Niemals war die Konzentration so hoch wie heute und die stabilisierende dezentrale Redundanz so weitgehend, ja so extrem abgebaut worden. Niemals hat die Menschheit so viel spezialisiertes Wissen aufgebaut wie in diesem Zyklus. Niemals gab es im Gegenzug so wenig Basiswissen, wie man dezentral und eigenständig überleben kann. Deutschland ist Effizienz-Weltmeister. Hier wird es besonders schlimm.
Die meisten Menschen können sich, selbst wenn sie es wollten, gar nicht mehr dezentral selbst versorgen. Es gibt dafür weder das erforderliche Wissen, noch die erforderliche Infrastruktur. Ohne Öl geht nichts. Pferde sind so gut wie nicht vorhanden. Hätte ein Ochse die Hungersnot überlebt, wer könnte ihn vor einen Pflug spannen? Niemand weiß wie er das machen sollte. Niemand hat so einen Pflug je gesehen, niemand kann ihn bauen. Saatgut, wo bekommt man das wohl her. In welcher Tiefe muss es in die Erde. Korn muss gedroschen und gemahlen werden, bevor man mit Mehl Brot backen kann. Wie finden Menschen zusammen, die all diese Schritte beherrschen. Und Brot backen kann auch nur noch die Backfabrik. Die normalen Menschen können vielfach nicht einmal mehr kochen.
Niemandem ist bewusst, in welch kritische Lage sich die Städter befinden. Alle denken, wir haben mehr Sicherheit als je zu vor. Das Vertrauen in den Staat, der ja alles so toll organisiert und organisieren kann ist nahezu unerschütterlich und wird von den Machthabern auch stets so dargestellt. Dass es in der Wirklichkeit ganz anders aussieht, wird einigen wenigen bekannt sein. Nicht umsonst haben die VSA im großen Stil Internierungslager für die eigene Bevölkerung vorbereitet.

Betrachten wir das Problem der „entwickelten Staaten“ quantitativ

Wie groß ist die Stadtbevölkerung heute und wie hat sie sich über die letzten zwei Jahrhunderte entwickelt. Wikipedia stellt es gut dar und ich zitiere hier mal ohne Zusammenhang aus dem Beitrag zur Urbanisierung.

Um 1800 lebten nur etwa 25% der deutschen Bevölkerung in Städten und rund 75% auf dem Land…

Seit dem Jahr 2007 wohnt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, während 1950 noch 70% auf dem Land lebten. Nach Prognosen der UNO wird der weltweite Anteil der städtischen Bevölkerung bis 2030 auf über 60% steigen und im Jahr 2050 rund 70% erreichen. Weltweit gibt es über 63 Städte mit mehr als drei Millionen Einwohnern.

Der Urbanisierungsgrad in den USA ist von 2001 bis 2011 von 79,4% auf 82,4% gestiegen.

In China hat in den letzten Jahrzehnten ein rapider Urbanisierungsprozess stattgefunden, der sich fortsetzen und zentral geplant noch beschleunigen soll. 1980 lebten etwa 20% der Chinesen in Städten, 2001 waren es 37,7%, 2012 bereits 52,6%, und 2025 sollen es 70% sein, also mehr als 900 Millionen Menschen. Allein in den nächsten 12 Jahren sollen 250 Millionen Menschen das Land verlassen und gezielt in Städten angesiedelt werden….

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat dies bildlich unter CC-Lizenz wie folgt dargestellt.

[image]

Im 19. Jahrhundert war wenigstens die teilweise Selbstversorgung in den Städten noch normal. Reichten doch die Löhne oft nicht aus, um das Existenzminimum abzusichern. Also musste eine Gelegenheit bestehen, zusätzlich Lebensmittel herzustellen. Bis hinein in die Weimarer Republik, also in den 20iger Jahren, hat man, wie bei Wikipedia nachzulesen ist, bei der Entwicklung der Städte noch sehr bewusst auf eine wenigstens teilweise Selbstversorgung geachtet.

Der Gartengestalter und Siedlungsplaner Leberecht Migge entwickelte während und nach dem Ersten Weltkrieg das Konzept der Selbstversorgung für jedermann. Dieses Konzept verlangt, dass jeder über ausreichend Gartenland verfügen können müsse, um die für die eigene Ernährung notwendigen Lebensmittel anbauen zu können.
In den 1920er Jahren sind zudem von Siedlungsgenossenschaften und durch staatliche Wohnungsbauförderprogramme der Weimarer Republik sogenannte Selbstversorgersiedlungen mit straßenorientierten Siedlerhäusern auf großen, langgestreckten Gartenparzellen errichtet worden…… Ziel dieser Siedlungen war die eigenständige Produktion von Lebensmitteln auf der eigenen Parzelle innerhalb einer (klein)städtischen Siedlungsform.

Wenn man das Ganze noch etwas konkreter bezogen auf die Ernährung anschaut, dann kommt man zu folgender Entwicklung, die bei Wikipedia zum Thema Geschichte der Landwirtschaft dargestellt wird.

Um 1900 erzeugte ein Landwirt im deutschen Kaiserreich Nahrungsmittel für 4 weitere Personen; im Vergleich dazu ernährte er 1950 in der Bundesrepublik Deutschland 10 Personen. Anfang des 21. Jahrhunderts (2004) waren es bereits 143.

Zur letzten Depression, waren von dem Versorgungsproblem viel weniger Menschen betroffen. Damit wird ganz klar, warum das Problem heute in den entwickelten Ländern nicht mehr zu lösen ist und es mit einer riesigen Welle des Verhungerns einhergehen wird. Gold, wie es z.B. bei Hartgeld.com immer wieder zu lesen ist, wird dieses Mal keine wirkliche Hilfe sein. Es geht nicht mehr um die Sicherung von Vermögen. Bei der letzten Depression gab es noch einen neuen Anfang, auf stark abgesenktem Schulden Niveau. Gold war damals, anders als heute, Geld. Es konnte so weiterlaufen, weil sich damals für 75% der Bevölkerung nichts Wesentliches änderte. Heute muss sich für 99% der Bevölkerung alles sehr stark ändern. Denn kaum ein deutscher Bauer kann heute noch autark überleben.

Fazit

Diesmal wird es in der „entwickelten Welt“ völlig zurückgehen, auf Jäger und Sammler. Selbst für den Ackerbau wird es anfangs nicht reichen und Tiere für eine bäuerliche Haltung, die die Hungerkrise überlebt haben, wird es fast keine geben.
Kultur war gestern. Ab sofort herrscht Idylle: kein Chef, kein Gläubiger, keine Steuern, keine Zinsen, nur nacktes Überleben. Wilde Tiere werden eine größere Bedrohung sein, als andere Menschen. Von denen gibt es einfach zu wenig. Die verbleibenden werden sich eher unterstützen.

Bleiben auch die Reste der Zivilisation, insbesondere die atomaren Restbestände. Sie werden dem Planeten, Menschen, Tieren und Pflanzen mächtig zusetzen.

Zusammenfassung meiner Thesen zur Machttherorie

Dottore hat die zentralisierte Macht mit ihren Abgabenforderungen als den Anfang der Überschussproduktion und als Ursache für das Wirtschaften, Geld und Zins richtig erkannt. Diese Abgaben führen an einem bestimmten Punkt zur Verstädterung, weil es die Erhöhung der notwendigen Überschüsse erfordert. In der letzten Phase wachsen dann die Städte mit Ihren Effizienzvorteilen der gemeinsamen Finanzierung und der stark arbeitsteiligen Spezialisierung zu Gunsten des umliegenden Landes stark an. Spätestens wenn die den Städten zu Grunde liegende Bausubstanz im großen Umfang zu verfallen beginnt, ist der Kollaps des Machtsystems unvermeidbar. Der Kollaps der städtischen Arbeitsteilung und der damit ausgelöste Zusammenbruch der städtischen Versorgungssysteme besiegelt das Ende des Machtsystems. Auf welchem Niveau sich danach ein neues Machtsystem entwickeln kann, hängt davon ab, wie stark zuvor die dezentrale Selbstversorgung der Bevölkerung zu Gunsten der Städte abgebaut wurde.

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So, vielen Dank für das Durchhalten bis hier her. Leider ist es ziemlich viel Text geworden.
Jetzt wäre ich dankbar, wenn ihr mir erklärt wo mein Denkfehler liegt, und weshalb alles ganz anders und viel besser ausgehen wird.

Dieser Beitrag ist über längere Zeit entstanden. Er soll mein letzter großer Beitrag im DGF sein. Meinen Account werde ich behalten, auch weiterhin mitlesen, aber weniger. Ich versuche Wissen in anderen Bereichen zu erwerben und mir eine neue Infrastruktur aufbauen. Landwirtschafts-, Garten- und Selbstversorger-Foren sind jetzt einfach wichtiger.

Vielen Dank euch allen. Es waren sehr interessante Jahre hier im DGF. Sie haben mir schrittweise die Augen geöffnet und mir erlaubt mich umzuorientieren. Ob das rechtzeitig war und ob es nachhaltig funktionieren kann, bleibt eine andere Frage. All das was ich in der Theorie gelernt habe, gilt es jetzt wie @Bär das macht, praktisch zu erproben und die Abläufe zu festigen. Ich nehme meine Erkenntnisse ernst und versuche etwas zu tun, nicht nur abzuwarten.

Weiter geht’s im Nachtrag, weil der Text beim Eintragen (anders als bei der Vorschau) leider abgeschnitten wurde.


Es läuft der größte Verhaltensversuch der Menschheit und Du bist dabei!

Nachtrag/Ergänzung

Vielleicht noch ein wichtiger Nachtrag zur Radioaktivität von Lebensmitteln. Im Rahmen meiner Umorientierung habe ich mich mit Bodenkunde und Pflanzenernährung beschäftigt. Dabei bin ich durch Zufall auf einen Effekt gestoßen, der einigen von uns nutzen könnte.

Pflanzen ernähren sich in gesunden Böden mit ausreichend Humus (Bodenleben) nicht wie von Liebig festgestellt über die Aufnahme der chemischen Elemente, sondern sie leben in Symbiose mit dem Bodenleben.

Die Pflanzen sind mit der Photosynthese in der Lage Sonnenenergie in chemische Energie umzuwandeln. Diese stellen sie über ihre Wurzeln dem Boden, genauer den Mykorrhiza Pilzen zur Verfügung. Diese Pilze bilden mit den Wurzeln der Pflanzen eine Einheit/Symbiose. Die Pilze versorgen im Gegenzug zur erhaltenen Energie (Zucker) die Pflanze mit Nährsalzen und Wasser. Die Pilze haben dabei einen erheblich größeren Einzugsbereich als die Pflanzenwurzeln. Die an der Oberfläche oft wechselnden Pflanzen beziehen ihre Nahrung, sofern das Bodenleben gesund ist, nicht direkt aus der Erde, sondern stets über den dauerhaft im Boden lebenden Zwischenhändler „Pilz“. Die Pflanzen sind dabei sogar in der Lage die aufgenommenen Nährstoffe exakt nach ihren aktuellen Bedarf zu steuern, also beim Pilz abzurufen. Das System muss ausgesprochen gut optimiert sein. Unser Wissen zu den Details der Pilz-Pflanze-Kommunikation ist leider sehr schlecht ausgeprägt. Kunstdünger ist ja wichtiger, der bringt schneller Erträge und Steuer-Einnahmen.

Diese Pilz-Pflanzen-Symbiose ist ein enormer Vorteil. Sie kann wohl die Weiterreichung von radioaktiv belasteten Elementen verhindern. Das war sicher im Rahmen der Erdgeschichte schon einmal relevant. Dieser Effekt wurde relativ zufällig entdeckt und leider nicht weiter erforscht. In Österreich kurz hinter der deutschen Grenze gibt es das Ehepaar Lübke, die sich seit den Sechzigern mit Bodenverbesserung beschäftigt hatten und seit damals Bio-Gemüse produzierten. Herr Lübke war aus Forscherdrang kurz nach der Kernschmelze von Tschernobyl (von der man zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste) mit einem Geigerzähler auf ihrem Feld. Dann begann es zu regnen. Er merkte nur, dass die Radioaktivität schlagartig enorm anstieg. Er wusch sich gründlich ab und kurz danach kam das in der UDSSR passierte Desaster ans Licht.
Alle Lebensmittel, der vom radioaktiven Regen betroffenen Flächen, musste damals untersucht werden, bevor sie in den Verkehr gegeben werden durften. Es waren ja nur vergleichsweise kleine Bereiche von den radioaktiven Niederschlägen betroffen. Überall in der Nachbarschaft von Lübkes wurde gemessen und vieles musste vernichtet / entsorgt werden. Als man zu den Lübkes kam passierte es nun, dass der Geigerzähler rein gar nichts anzeigte. Keine Strahlung des Gemüse, keine schwache Strahlung, nichts.
Man konnte sich das nur so erklären, dass wohl der Geigerzähler defekt sein müsste. Also hat man sich für den nächsten Tag wieder verabredet, mit einem neuen Gerät. Wieder zeigte der Zähler nichts an. Das Gemüse war absolut unbedenklich. Ich habe das eingescannte Protokoll aus der damaligen Zeit mit eigenen Augen gesehen. Die Lübkes hatten ihren Boden gezielt mit von ihnen selbst quasi industriell hergestelltem Kompost systematisch verbessert. Wer wissen will, wie es geht, der guckt sich das Patent von Bio-Elite-Dünger an. Die Bio-Elite-Dünger-Produzenten machen bei ihrem Produkt nur am Ende von ihrem Prozess einen gravierenden Fehler. Sie pressen und trocknen die Ware. Das ist dumm, denn dadurch wird das Leben im Kompost natürlich zerstört. Kompost braucht Luft und Feuchtigkeit, weil die Lebewesen in der Erde die Luft und das Wasser brauchen. Kompost ist lebendig und er lässt sich deshalb nicht einmal in Plastiktüten versenden. Wenn ihr den Kompost ausbringt, arbeitet ihn etwas in den Boden ein. Dann kann sich das Leben aus dem Kompost auch in dem vorhandenen Boden ausbreiten. Er wird quasi mit (neuem) Leben geimpft. Nur an der Oberfläche tötet die Sonne das enthaltene Leben allerdings auch recht schnell.

Mehr als vor der indirekt mit Lebensmittel aufgenommen Strahlung kann gesunder Boden nicht schützen. Ob das wirklich reichen wird um zu überleben? Ich weiß es nicht. Aber einen Versuch ist es wohl wert, da es nach meinem Theorie-Verständnis recht logisch ist und auch mit der Beobachtung übereinstimmt, dass Pilze besonders stark radioaktiv belastet sind.
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So, jetzt ist wirklich Schluss. Ich wollte nicht mit einem so negativen Beitrag aussteigen, deshalb etwas konstruktives zum Schluss.

Macht’s gut und dir, lieber Jürgen: DANKE, mach noch viele Jahre so weiter!
Morpheus


Es läuft der größte Verhaltensversuch der Menschheit und Du bist dabei!

 

 

Fussnoten   [ + ]

1. Fussnoten im Überblick

hugo • 5. April 2016


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